Neumünster. Am Donnerstag startet die 70. Auflage der VR Classics in den Holstenhallen. Die Aufbauarbeiten sind noch in vollem Gange. Sturm “Sabine” hat die Planungen ein wenig durcheinander gewirbelt: Das Stallzelt konnte nicht wie geplant am Montag aufgebaut werden, erklärte Bettina Schockemöhle bei einer Pressekonferenz am Montagabend.

Das internationale Reitturnier vom 13. bis 16. Februar 2020 bietet Tradition, Charme und sportliche Relevanz. Die zwei internationalen Highlights sind dabei die neunte Etappe des FEI Dressage World Cups, die viele hochkarätige Reiter anzieht, und der Große Preis der Volksbanken und Raiffeisenbanken, der in diesem Jahr erstmals das Finale der Bemer Riders Tour ist.

„Das Starterfeld in der FEI Dressur ist phänomenal“, findet Veranstalterin Bettina Schockemühle (Mühlen). Erstmals sind beide Werndl-Geschwister (Aubenhausen) zusammen in Neumünster am Start. Benjamin Werndl  und Jessica von Bredow-Werndl führen mit 63 Punkten das Ranking gemeinsam  an. Die an vierter Stelle rangierende Helen Langehanenberg (Billerbeck) liegt mit 60 Punkten nur knapp dahinter. Sie wird Damsey FRH satteln, mit dem sie vor zwei Jahren in Neumünster gewann. Vorjahressiegerin Isabell Werth bringt Emilio mit in die Holstenhallen. „Es scheint, dass jedes ihrer Pferde hier einmal World Cup laufen soll“, schmunzelt Schockemöhle. Im Jahr 2017 siegte Werth auf Don Johnson FRH, im Jahr 2016 auf Weihegold. Druck hat sie ohnehin nicht: Für das World Cup Finale im April in Las Vegas ist sie bereits vorqualifiziert. Mit Spannung erwartet werden auch Mannschafts-Olympiasieger und -Weltmeister Sönke Rothenberger (Bad Homburg) mit Sabtiano R, der in die Hufspuren von Cosmo treten soll, Österreichs Spitzenreiterin Victoria Max-Teurer, die einstige Weltcupsiegern Adeline Cornelissen aus den Niederlanden und Finnlands Emma Kanerva.

Kanerva ist inzwischen in Stade zu Hause. Sie freut sich auf die VR Classics: “Ich bringe drei Pferde mit nach Neumünster. Ich bin sehr zufrieden.” Ihr Grand Prix-Pferd ist noch nicht so erfahren: “Der ist noch keine zehn Grand Prix gelaufen. Er ist erst 12 Jahre alt und war letztes Jahr länger verletzt. In der Kür war er aber immer sehr gut.”

Im Springen habe ein bestimmter Reiter keinen Druck, findet Turnierveranstalter Paul Schockemöhle: „Nisse Lüneburg kann beruhigt hier herkommen, der kann sich den Landrover abholen“, ist sich Turnierleiter Paul Schockemöhle sicher. Lüneburg führt nach zwei Siegen in Hamburg und Paderborn die Riders Tour-Wertung mit 42 Punkten an. Doch sowohl der mit 24 Punkten zweitrangierende David Will (Marburg) und der mit 23 Punkten an dritter Stelle liegende Julien Anquetin (Frankreich) werden versuchen, an Lüneburg vorbei zu ziehen. Für die ersten drei gibt es einen Pkw zu gewinnen. 

Mit dem Sieg des Hamburger Derbys 2019 mit Cordillo setzte sich Nisse Lüneburg an die Spitze der laufenden Wertung der Bemer Riders Tour. Foto: Tara Gottmann

Ebenfalls reelle Chancen, einen Podestplatz zu erreichen, hat Harm Lahde (Blender). Im Jahr 2018 wurde er im Großen Preis Zweiter. “Letzten Endes müssen wir Sonntag erstmal den ersten Umlauf fehlerfrei schaffen. Dann können wir weiter überlegen”, sagt er. Für die Youngster-Tour bringt er einen siebenjährigen Hengst mit uns ist guter Dinge. Für die große Tour nimmt er drei Pferde mit. “Die meisten bringen zwei mit. Ich habe die letzten Jahre immer drei mitgebracht. Die Taktik werde ich nicht ändern.” Auch Dressur möchte er in diesem Jahr sehen: “Ich war vor kurzem auf der Hengstschau von Schockemöhle und da war ich total begeistert von den Dressurhengsten. Also wirklich begeistert.”

Bei einem 70-jährigen Jubiläum wird natürlich auch zurückgeblickt. Ein Holsteiner, der als Jugendlicher das erste Mal in den Holstenhallen ritt und den Großen Preis bereits gewinnen konnte, ist Thomas Voß (Schülp). 2007 siegte er mit Leonardo B und sagt: „Das war das größte sportliche Ereignis meines Lebens. Das war eine ganz herausragende Sache. Jeder Reiter aus Schleswig-Holstein hat einen Bezug zu den Holstenhallen und möchte hier reiten.“ Mit 15 Jahren hatte Voß seinen ersten Start in einem Pony-Kostümspringen. “Das war noch die kleine Abreitehalle, mit groß war da noch gar nichts. Und es war noch ein schwarzer Boden.”

Auch Paul Schockemöhle hat schon einmal den Großen Preis in Neumünster gewonnen, im Jahr 1972 auf Agadir. Zu diesem Pferd konnte er auch prompt noch die Abstammung aufsagen. “Aber ich bin nicht oft in Neumünster geritten. Früher war im Januar und Februar bei den meisten Reitern Turnierpause.” Nicht nur das habe sich geändert. “Der Sport hat sich weiterentwickelt und ist immer besser geworden. Die Höhen sind gleich geblieben, alles andere nicht – andere Stangen, andere Distanzen, Auflagen.” Während der VR Classics könne man ihn eher am Arbeitsplatz zum Zuschauen antreffen: “Ich habe ein paar mehr Turniere gesehen mit den Jahren, da kommt schon was zusammen. Ich interessiere mich für die Pferde und in der Vorbereitung kann man mehr erkennen.”

Zum ersten Mal voll wird es auf den Rängen bereits am Donnerstagnachmittag zum traditionellen und beliebten Schauwettkampf. In diesem Jahr sind zwei Schaubilder mehr dabei als sonst: „Wir konnten uns nicht entscheiden, also haben wir jetzt sieben Schaubilder für 70 Jahre“, erklärt Bettina Schockemöhle. So wird es bunt mit “Das letzte Einhorn”, “Opa und das Internet”, “Dank ans Dorf”, “Elite-Sport-Internat”, “Das Klassentreffen” und “Traum im Alltagsstress”.

Start- und Ergebnislisten gibt es hier.